Die Wahrnehmung des Digitalisierungsgrades durch Steuerberater/innen und Mitarbeiter/innen von Steuerberatungskanzleien

bild-blog-digitalisierung-steuerberatung

 

Die fortschreitende Digitalisierung stellt Unternehmen aller Branchen vor neue Herausforderungen. Vor allem für die in den Organisationen arbeitenden Individuen geht die Digitalisierung mit tiefgreifenden Veränderungen ihrer Arbeitswelt einher. Wie sie die Digitalisierung in ihrem Unternehmen bzw. an ihrem Arbeitsplatz wahrnehmen und erleben, ist aber bislang wissenschaftlich kaum untersucht. Im Rahmen der Entwicklung einer Skala zur Erfassung des Digitalisierungsgrades von Steuerberatungskanzleien wurden im Teilvorhaben der Universität Rostock im Verbundprojekt KODIMA Daten erhoben, die zur Erhellung dieses Problems beitragen. Das Vorgehen bei der Skalenentwicklung und die Analyse der Wahrnehmung der Digitalisierung durch die Mitarbeiter/innen von Steuerberatungskanzleien wurden in einem White Paper festgehalten, das in Zusammenarbeit mit der Ecovis entstanden ist.

In einer ersten Befragung wurden im März 2018 mittels einer standardisierten Online-Befragung Indikatoren generiert, die alle Aspekte der Digitalisierung in Steuerberatungskanzleien abdecken. Durch eine Auswertung nach den Prinzipien der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring wurde aus den Einzelnennungen ein Kategoriensystem als Grundlage für die Formulierung von Items zur Erfassung des Digitalisierungsgrades entwickelt. Daraus entstanden insgesamt 57 Items, die in einer zweiten Befragung reduziert wurden. Die in den Items zum Ausdruck gebrachten Aspekte wurden zu diesem Zweck von 49 Mitarbeiter/innen von Steuerberatungen nach der Bedeutung für die Kanzlei (früher/aktuell/künftig) und die Relevanz für die persönliche Arbeitstätigkeit (relevant/nicht relevant) beurteilt. Damit liegen Antworten für die Ebene der Kanzlei und der Ebene der Arbeitstätigkeit vor, deren Auswertung im White Paper beschrieben wird.

Die Beantwortung der Items lässt sich nach der personellen Dimension (Steuerberater/innen vs. Mitarbeiter/innen) und der Einstufung hinsichtlich der früheren, aktuellen und künftigen Relevanz für die Kanzlei bzw. den individuellen Arbeitsplatz auswerten. Die Steuerberater/innen stufen fast alle in den Items beschriebenen Digitalisierungstendenzen sowohl aktuell als auch zukünftig für sehr relevant ein und erachten diese im hohen Maße als für den individuellen Arbeitsplatz bedeutsam. Dagegen stufen die Mitarbeiter/innen nahezu alle Items als lediglich aktuell relevant ein, messen ihnen aber ebenfalls hohe Bedeutung für den Arbeitsplatz bei.

Die Abweichungen zwischen den Berater/innen und Mitarbeiter/innen in der Bewertung der Items hinsichtlich der zukünftigen Relevanz für die Kanzlei lassen sich durch rollenbedingte Informationsasymmetrien und durch reglementierte Handlungsspielräume im Tagesgeschäft erklären. Dabei machen die Item-Bewertungen deutlich, dass die Ergebnisse der Befragung vor dem Hintergrund dynamischer Veränderungen in der steuerberatenden Branche zu verstehen sind. Die Kompetenzen, die notwendig sind, um die in den Items beschriebenen Inhalte bzw. die führungsseitigen und organisatorischen Erfordernisse umzusetzen, werden in weiterführenden empirischen Untersuchungen im Rahmen des Verbundprojekts KODIMA erarbeitet.

Für nähere Informationen steht das White Paper „Die Wahrnehmung des Digitalisierungsgrades durch Steuerberater/innen und Mitarbeiter/innen von Steuerberatungskanzleien“ unter Publikationen zum Download bereit.

Autor: Philipp Görs, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Seniorprofessur Wirtschafts- und Organisationspsychologie der Universität Rostock

Dieses Forschungs- und Entwicklungsprojekt wird im Rahmen des Programms „Zukunft der Arbeit“ (FKZ 02L15A312) vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und dem Europäischen Sozialfonds (ESF) gefördert und vom Projektträger Karlsruhe (PTKA) betreut. Die Verantwortung für den Inhalt dieser Veröffentlichung liegt beim Autor.
© 2017 KODIMA   |   Impressum