Förderliche Kompetenzprofile für Mitarbeitende und Kompetenzmodelle für Unternehmen im Transformationsprozess der Digitalisierung – Schlaglichter aus dem Forschungsjahr 2018 in KODIMA

Teil fünf der Serie: Das Forschungsjahr 2018 in KODIMA – Eindrücke, Ergebnisse und Ausblicke der fünf Verbundprojekte

Bild Blog HRE2

Das Verbundprojekt KODIMA nahm im Herbst 2017 seine Arbeit auf. Seither hat sich einiges getan: Erhebungen, Konferenzen und Publikationen. In der Serie „Das Forschungsjahr 2018 in KODIMA“ werden die fünf Teilvorhaben, das heißt die Universität Rostock (Seniorprofessur Wirtschafts- und Organisationspsychologie), FOM Hochschule, HR Excellence Group GmbH, ECOVIS Europe AG und die EVENTUS Wolfenbüttel Steuerberatungsgesellschaft GmbH auf das erste Jahr im Verbundprojekt zurückblicken. Außerdem werden sie ihre bisherigen Forschungsarbeiten und (ersten) Ergebnisse in jeweils eigenen Blogbeiträgen skizzieren und einen Ausblick auf das kommende Jahr geben. Im fünften Teil berichtet das Team der HR Excellence Group GmbH (HRE).

Ein zentrales Thema der Forschungs- und Beratungspraxis der HRE sind die Chancen und Risiken der digitalisierten Arbeitswelt für Beschäftigte und Unternehmen. Anlass zur Forschung sind für das HRE-Team dabei konkrete Fragen, die sich immer wieder stellen: Welche Veränderungen der Geschäftsfelder verändern auch die Tätigkeiten und Anforderungen an die Mitarbeitenden? Wie werden Berufsprofile und Tätigkeiten in Zukunft aussehen? Was benötigen die Mitarbeitenden für diese Entwicklungen? Welche Kompetenzprofile werden in Zukunft wichtig sein? Und welche Maßnahmen werden in der Personal-und Organisationsentwicklung zukünftig benötigt?

Genau diese Fragen stehen daher auch im Mittelpunkt der Forschungsaktivität für KODIMA. Wir sind diesen Fragen in einer Literaturanalyse zu Kompetenzen und Digitalisierung nachgegangen, haben Anforderungsanalysen zum Umgang mit digitalisierten und standardisierten Arbeitsprozessen durchgeführt und rollenbasierte Kompetenzanforderungen im Rahmen von Kompetenzprofilen ermittelt.

Auf Grundlage mehrerer Experteninterviews und der Analyse einschlägiger Literatur haben wir Begrifflichkeiten zu Kompetenzen und Digitalisierung in der Personal- und Organisationsforschung geklärt. Dabei haben wir uns u. a. mit der Verwendung des Kompetenzbegriffes und dem daraus resultierenden Kompetenzmodell nach Erpenbeck und Heyse beschäftigt und dieses auch für unsere Analysen genutzt. Damit konnten wir bereits in der Forschung bewährte Kompetenzdefinitionen und Kompetenzerfassungs- und Kompetenzentwicklungsmodelle in der Arbeit unseres Vorhabens verwenden. Die Grundlage dieser Begrifflichkeit ist ein positives Menschenbild, das Stärken und Potentiale betont und nicht den Fehler oder Mangel in den Vordergrund stellt. Demnach ist eine Kompetenz eine Fähigkeit zur zielgerichteten Selbstorganisation und Problemlösung auf Grundlage von Wissen, Qualifikationen oder Erfahrungen und bietet Handlungsvoraussetzungen, sich in neuen, offenen, unüberschaubaren, dynamischen Situationen zurecht zu finden und aktiv zu handeln.

Um Anforderungen an Mitarbeitende im Umgang mit digitalisierten Prozessen zu ermitteln und rollenbasierte Kompetenzanforderungen und Profile zu entwickeln, haben wir in verschiedenen Steuerberatungskanzleien und Organisationen anderer Branchen Workshops zum Kompetenzmanagement durchgeführt. Darunter waren auch unsere Projektpartner EVENTUS und Ecovis. An diesen Workshops nahmen neben Führungskräften auch Mitarbeitende aus unterschiedlichen Bereichen der Unternehmen teil. Ziel dieser Workshops war es, Erkenntnisse über Geschäftsfelder, Unternehmensentwicklung, Unternehmenskultur und strategische Ziele für Personal-und Organisationsentwicklung zu gewinnen.

Auf dieser Basis konnten dann unternehmensspezifische Rollen festgelegt werden und fachliche und überfachliche unternehmensspezifische Kompetenzanforderungen an die Mitarbeitenden beschrieben werden. Ergebnisse waren dann Kompetenzprofile, die sich aus circa 12-16 Teilkompetenzen zusammensetzen. Vertieft und begleitet wurden diese Erkenntnisse aus den Workshops durch Online-Befragungen zur Selbsteinschätzung der Mitarbeitenden.

Neben den Forschungsaktivitäten hat die HR Excellence Group GmbH als koordinierender Projektpartner in 2018 auch eine Vielzahl administrativer Aufgaben übernommen. So wurden regelmäßige Telefonkonferenzen durchgeführt. Auch interne Projekttreffen wurden geplant und organisiert. Daneben wurden Treffen mit dem Beirat und Review-Treffen mit dem Projektträger und auch die Zusammenarbeit mit dem Projektverbund TransWork geplant und koordiniert und selbstverständlich dokumentiert.

Derzeit werden weitere Workshops und Mitarbeiterbefragungen durchgeführt beziehungsweise fortgesetzt. Für alle Mitarbeitenden, die an einer Online-Befragung teilgenommen haben, wird die Möglichkeit eines Feedbackgesprächs für die persönliche Personalentwicklung geboten. So kann neben den Forschungserkenntnissen auch ein Mehrwert für Mitarbeitende und Unternehmensführung im Hinblick auf Personal- und Organisationsentwicklung geboten werden.

Aus den bisher gewonnen Erkenntnissen lassen sich erste Tendenzen für das Kompetenzmanagement im Transformationsprozess der zunehmenden Digitalisierung von Arbeit ableiten. Es zeichnet sich ab, dass die Fachkompetenz des Mitarbeitenden die Grundlage aller Kompetenzentwicklung ist. Die Annahme, dass es bestimmte „digitale“ Kompetenzen gibt, lässt sich nicht bestätigen. Entscheidend ist eher die Befähigung, Komplexität zu erfassen, zu analysieren und anzuwenden. Neben einer guten Fachkompetenz scheinen Kompetenzen, wie zum Beispiel Kommunikationsfähigkeit, analytische Fähigkeiten, Lernfähigkeit und Problemlösungsfähigkeit entscheidend dafür zu sein, dass ein digitaler Transformationsprozess mit den Beschäftigten in einem Unternehmen gelingen kann. Personal-und Organisationsentwicklung kann ein entscheidender Faktor im Transformationsprozess der Digitalisierung sein. Die Mitarbeitenden und ihre Kompetenzen stehen im Fokus und mit ihnen kann die Veränderung gestaltet werden.

AutorInnen: Virginia Moukouli, Koordinatorin KODIMA, Partnerin HR Excellence Group GmbH; Markus Bieker, wissenschaftlicher Mitarbeiter KODIMA, Senior Manager HR Excellence Group GmbH

Dieses Forschungs- und Entwicklungsprojekt wird im Rahmen des Programms „Zukunft der Arbeit“ (FKZ 02L15A312) vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und dem Europäischen Sozialfonds (ESF) gefördert und vom Projektträger Karlsruhe (PTKA) betreut. Die Verantwortung für den Inhalt dieser Veröffentlichung liegt beim Autor.
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