Ecovis – Mitwirkung, Eindrücke und Tendenzen aus dem Forschungsjahr 2018 (Teil 1)

Teil vier der Serie: Das Forschungsjahr 2018 in KODIMA – Eindrücke, Ergebnisse und Ausblicke der fünf Verbundprojekte

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Das Verbundprojekt KODIMA nahm im Herbst 2017 seine Arbeit auf. Seither hat sich einiges getan: Erhebungen, Konferenzen und Publikationen. In der Serie „Das Forschungsjahr 2018 in KODIMA“ werden die fünf Teilvorhaben, das heißt die Universität Rostock (Seniorprofessur Wirtschafts- und Organisationspsychologie), FOM Hochschule, HR Excellence Group GmbH, ECOVIS Europe AG und die EVENTUS Wolfenbüttel Steuerberatungsgesellschaft GmbH auf das erste Jahr im Verbundprojekt zurückblicken. Außerdem werden sie ihre bisherigen Forschungsarbeiten und (ersten) Ergebnisse in jeweils eigenen Blogbeiträgen skizzieren und einen Ausblick auf das kommende Jahr geben. Im vierten Teil berichtet Ecovis über die Zusammenarbeit und Mitwirkung an den verschiedenen Teilprojekten der Verbundpartner im Forschungsjahr 2018.

Für Ecovis als praxisorientierter Verbundpartner war das Jahr 2018 vernehmlich durch die Schaffung von inhaltlichen bzw. empirischen Zugängen für die Verbundpartner (Teil 1) und das Erlangen bzw. Systematisieren eigener Erkenntnisse (Teil 2) im branchenspezifischen Kontext der betrieblichen Bildung gekennzeichnet. Dabei stellten sich die angesprochenen Zugänge für die Universität Rostock (TVH1), FOM Hochschule (TVH2) und HR Excellence Group GmbH (TVH 3) wie folgt dar: Es erfolgte die inhaltliche Vermittlung von branchentypischen Dienstleistungen und den daran geknüpften Prozessen. Dabei wurden Aspekte der verwendeten Software als prozessprägender Bestandteil skizziert. Auch auf branchentypische Strukturen und Führungsaspekte von Kanzleien wurde, soweit möglich, eingegangen. Hierbei fungierte als ganzheitliche Klammer ein aus dem freiberuflichen, berufsständischen Verständnis heraus erwachsenes Unternehmertum. Das damit verknüpfte (fachliche) Expertentum stellte im Weiteren eine gewisse Herausforderung für die forschungsseitige Erschließung der Branche dar. Erschwerend kommt hinzu, dass die betriebliche Praxis durch eine große Heterogenität geprägt ist. Dies gilt für Aspekte der Organisation, Führung, technischen Ausstattung bis hin zu Wissensständen oder der Produktbreite bzw. -tiefe. Kennzeichnend hierbei sind eher kleinteilige Strukturen (Einzelkanzlei Ø 4,7 MA/Sozietäten Ø 19,9 MA (STAX 2015)).

In beratender Funktion konnte Ecovis an der Erstellung der Delphi Studie „Digitalisierung“ der Universität Rostock mitwirken und durch die gewährten empirischen Zugänge zu den Ecovis Kanzleien einen weiteren Beitrag leisten. Analytische Leistungen spiegeln sich u. a. in dem Whitepaper „Die Wahrnehmung des Digitalisierungsgrades durch Steuerberater/innen und Mitarbeiter/innen in Steuerberatungskanzleien“ (Zech et al. 2018) wider. Bemerkenswert ist hierbei die Uneinheitlichkeit in der Wahrnehmung, sowohl in der inhaltlichen, zeitlichen und prioritären Dimension. Digitalisierung wird eher aus einem technischen, softwaregeprägten Verständnis heraus interpretiert und dem Anschein nach nicht aus einer prozessseitigen Perspektive (hierzu auch: Traum et al. 2017). Bei der anschließenden Studie „Wirkung der Digitalisierung von Arbeit auf Mitarbeiter/innen in Dienstleistungsunternehmen“ der Universität Rostock konnte bedarfsorientierte Unterstützung hinsichtlich der Arbeitsprozesse und -inhalte aber auch bei den empirischen Zugängen gewährt werden (siehe auch: u. a. Hummert et al. (2019); Görs et al. (2019)). Diese wurden flankiert durch die Möglichkeit quantitative Befragungen auf mitarbeiter- und beraterspezifischen Tagungen durchzuführen. Für die in 2019 geplanten Arbeitsplatzanalysen der Universität Rostock wurden zum Ende des Forschungsjahres 2018 erste inhaltliche und organisatorische Vorarbeiten (Koordinierung Workshop TAG-MA, Universität Halle, Universität Rostock, Ecovis; Ansprache von Kanzleien usw.) geleistet. Neben den skizzierten inhaltlichen Zugängen zum Forschungsfeld konnten wir unserem Verbundpartner FOM Hochschule vornehmlich durch die Gewährung von empirischen Zugängen unterstützen. Unter der Fragestellung „Welche Auswirkung die Digitalisierung auf die Organisation und Führung hat?“ wurden in Ecovis Kanzleien Interviews mit Mitarbeitern und Beratern durchgeführt. Die abschließende analytische Auswertung und ein Workshop für die teilnehmenden Kanzleien ist für 2019 durch die FOM Hochschule geplant. Darüber hinaus wurde auf einer beraterspezifischen Ecovis-Tagung die Möglichkeit wahrgenommen, einen Workshop zum Thema „Innovation in Profession“ umzusetzen. Im Wesentlichen kann hier resümiert werden, dass die Veränderung, bspw. durch Digitalisierung, gegenwärtig in der Wirkung unbestimmt ist und die aktuellen technischen Prägungen eher ein Übergangsszenario darstellen. Prozessorientierung mit verkoppelter Fachlichkeit und fachlich interdisziplinären bzw. überfachlichen Kompetenzen werden die künftigen Personalstrukturen dem Anschein nach prägen. Mit dem anschließenden Workshop „Kompetenzmanagement in der Digitalisierung“ hat die HR Excellence Group GmbH im selbigen Rahmen das Thema vertiefend aufgegriffen und die Notwendigkeiten einer an den Fragen der Kompetenzanforderung orientierten Personalgewinnung und -entwicklung aufgezeigt. Dieser Aspekt ist branchentypisch ein bis dato eher nachgelagertes Thema wie die wenigen empirischen Erhebungen im Branchenkontext (u.a. STAX 2012, STAX 2015, VALTAXA Report 2017) zeigen, jedoch mit zukunftsweisendem Charakter. Die Workshops wurden moderierend durch Ecovis begleitet und in einem gemeinsamen Blogbeitrag besprochen (Moukouli, Zech, Ziehmer 2018, zum Beitrag). Der Workshop der HR Excellence Group GmbH bildete gleichermaßen den Auftakt für eine Workshopreihe (n=3) mit Ecovis Führungskräften, welche Ende 2018 realisiert wurde und ihren Abschluss Anfang 2019 fand. Gemeinschaftlich wurden dabei zukunftsorientierte Kompetenzprofile erarbeitet. Die anfänglich eher breite und funktionsgetriebene Erstellung wurde im weiteren Verlauf auf zwei wesentliche Kompetenzprofile reduziert. Dabei ist aus gegenwärtiger Sicht kennzeichnend, dass einige der erarbeiteten Kompetenzen (n=14) eher im diagnostischen Bereich (wie Eigenverantwortung, Offenheit, Innovationsfreudigkeit oder Belastbarkeit) zu verorten sind. Diese sind möglicherweise nicht oder nur unter erschwerten Bedingungen in Qualifizierungsprozessen integrierbar. Diese und weitere vornehmlich berufspraktische Erkenntnisse werden in den nachfolgenden Veröffentlichungen im Kontext der beruflichen Bildung vertiefend diskutiert.

Autor: Alrik Zech M.BC., Leiter der Akademie – ECOVIS Europe AG

Dieses Forschungs- und Entwicklungsprojekt wird im Rahmen des Programms „Zukunft der Arbeit“ (FKZ 02L15A312) vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und dem Europäischen Sozialfonds (ESF) gefördert und vom Projektträger Karlsruhe (PTKA) betreut. Die Verantwortung für den Inhalt dieser Veröffentlichung liegt beim Autor.
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