Berufsbilder und Kompetenzprofile – KODIMA zu Gast bei den Ecovis-Beratertagen in Magdeburg

Wie wird sich das Berufsbild Steuerberater/in im Zuge fortschreitender Digitalisierung verändern? Welche Kompetenzen werden zukünftig in der Steuerberatung gebraucht? Diese Fragen beschäf-tigten Steuerberaterinnen und Steuerberater bei Diskussionsrunden und Workshops im Rahmen der ECOVIS-Beratertage in Magdeburg.

„Wie passt eine mit bunten Klebezetteln beklebte Metaplan-Wand zur Digitalisierung?“ – die einleitende Frage zur Diskussionsrunde „Innovation in Profession? Die Neuordnung des Berufsbilds“ wollte eigentlich Alrik Zech (Leiter ECOVIS- Akademie) stellen, doch da sind ihm die Diskussionsteilnehmer/innen zuvorgekommen. Die Situation steht einmal mehr dafür, dass das Althergebrachte in Zeiten rasanter technischer Entwicklung nicht selten Verwunderung erzeugt. Dem Berufsbild Steuerberater/in wird es aller Voraussicht nach nicht so ergehen wie der Metaplan-Wand. Es wird sich im Zuge der Digitalisierung verändern und mit ihm die Kompetenzprofile der Beschäftigten.

In der Steuerberatungsbranche, so die Prognose, werden Mandanten- und Unternehmensdaten zur wichtigsten Ressource in der Arbeit von Steuerberatenden und gleichsam zur Basis neuer Geschäftsmodelle. Diese Prognose bildete den eigentlichen Ausgangspunkt der Diskussionsrunde, die von Halina Ziehmer von der FOM-Hochschule konzipiert wurde und die sie gemeinsam mit Alrik Zech von der ECOVIS Akademie moderiert hat. Im Magdeburger Maritim-Hotel diskutierten Steuerberater/innen aus den Kanzleien der ECOVIS Gruppe über die Zukunft ihres Berufsstands, schilderten Erfahrungen aus der täglichen Arbeit mit Kolleg(inn)en und Mitarbeitenden und überlegten gemeinsam, in welche Richtung sich analog zum Steuerberatenden auch dessen Arbeitsort, die Kanzlei, verändern könnte.

Alrik Zech schloss die Diskussion mit dem Fazit ab, dass Veränderungen der Berufsbilder in Steuerberatungskanzleien durchaus gegeben sein werden, ihre Geschwindigkeit und Tiefe gegenwärtig jedoch noch unbestimmt sind. Dennoch liegt die Vermutung nahe, dass die künftigen Arbeitsfelder einer höheren Qualifikation und veränderter Kompetenzen vornehmlich im Bereich der Kommunikation bedürfen. Dies, so Zech weiter, gilt gleichermaßen für Berater und Mitarbeiter. Infolge der Diskussion liegt auch die Vermutung nahe, dass der Veränderungsprozess, bspw. durch Digitalisierung, auch zur Reduktion der Kanzlei führen könnte. Gründe hierfür liegen u.a. in Nachfolgeproblematiken, unzureichender Investitionsbereitschaft und ebenso unzureichender Qualifikationsstände. Steuerfachangestellte wird es weiterhin geben, jedoch in einem höherwertigen Kontext – möglicherweise ist punktuell eine Verdrängung durch duale Studenten anzunehmen. Beide Ausbildungsrichtungen, duale Ausbildung wie duales Studium, bedürfen inhaltlicher praxisorientierter Anpassungen. Automatisierungsprozesse im Bereich der Finanzbuchhaltung sind offensichtlich, während sie im Deklarationsgeschäft hinsichtlich des Standardgeschäfts zu erwarten sind. Trotzdem bedürfen komplexere Vorgänge immer auch menschlicher Denkleistung, was z.B. vor dem Hintergrund verstärkter Kontrollleistungen deutlich wird. Es ist anzunehmen, dass die Kanzleistrukturen sich verändern und mehr Berater/innen bzw. Mitarbeitende mit beraternahen Tätigkeiten vorzufinden sein werden. Entlastende Strukturen wie Assistenten/innen oder Kanzleimanager/innen werden zunehmen. Gleichermaßen kann von einzelnen technisch spezialisierten Mitarbeitenden ausgegangen werden, wobei aktuelle technische Probleme (Schnittstellen u.a.) oder Digitalisierungsansätze (wie DMS) eher Übergangsprobleme darstellen. Vor diesem Hintergrund kann in Zukunft von einem eher kooperativen Führungsstil ausgegangen werden.

Analog zum Berufsbild Steuerberater/in ist also auch mit einer Veränderung der Kompetenzprofile von Steuerberatenden selbst und deren Mitarbeitenden zu rechnen. Virginia Moukouli von der HR Excellence Group und Koordinatorin des Verbundprojekts KODIMA lud in diesem Zusammenhang zum Workshop „Kompetenzmanagement in der Digitalisierung“ ein. Ein gutes Dutzend Steuerberaterinnen und Steuerberater der ECOVIS Gruppe diskutierte über Kompetenzen und Kompetenzprofile in der Steuerberatung, und wie diese zukünftig aussehen müssten.

Die Digitalisierung und die damit einhergehenden Anforderungen an die Beschäftigten sind in aller Munde und werden auch in der Steuerberatung oftmals als kontrovers diskutiert. Die Teilnehmer/innen des Workshops stellten zu Beginn klar, dass die Notwendigkeit Prozesse, Geschäftsfelder und Anforderungen an Mitarbeitenden weiterzuentwickeln, mit dem Schlagwort Digitalisierung nicht gänzlich zu umfassen sind. Letztendlich ist die Digitalisierung ein Treiber für Veränderung, der einhergeht mit vielen anderen Umwälzungen, denen sich die Steuerberatungsbranche stellen muss. Die Anforderungen an die Mitarbeitenden fußen, nach Ansicht der Workshopteilnehmer/innen, auf fundierten fachlichen Qualifikationen und überfachlichen Kompetenzen, die als Fähigkeiten zur zielgerichteten Selbstorganisation und Problemlösung beschrieben werden. Als grundlegend für ein Anforderungsprofil für Beschäftigte wurde z.B. die Kommunikationskompetenz in der Diskussion hervorgehoben, die sich in der Dialogfähigkeit mit den Mandanten aber auch innerhalb der Kanzlei mit den Teamkollegen/innen und Vorgesetzten zeigt. Als weitere Beispiele wurden die Kompetenzen zum systematisch-methodischen Vorgehen und die Problemlösungsfähigkeiten beschrieben. Deutlich wurde auch, dass die überfachlichen Kompetenzen in den Anforderungsprofilen immer mehr an Bedeutung gewinnen, und dass die Fragen der Kompetenzanforderungen in der Personalgewinnung und -entwicklung eine größere Rolle spielen sollten. Abschließend wurde die Qualität der beruflichen Bildung diskutiert und dass es Veränderungen in dem zu vermittelten Fachwissen und den notwendigen Kompetenzen geben muss, damit die zukünftigen Beschäftigten der Steuerberatungsbranche eine förderliche berufliche Entwicklung durchlaufen können.

Sowohl die Gruppendiskussion zur Neuordnung des Berufsbildes wie auch der Workshop Kompetenzmanagement in der Digitalisierung – die ECOVIS-Beratertage bereicherten das KODIMA-Projekt um viele neue Einblicke in die Praxis von Steuerberatungskanzleien. Auch wenn eine mit bunten Klebezetteln beklebte Metaplan-Wand zur Digitalisierung bisweilen „old-school“ anmutet, erwies sie sich doch als unerlässlich für eine lebhafte Diskussion. Sowohl die Diskussionsrunde als auch der Workshop brachten hervor, wie wichtig Kommunikationskompetenzen sind, wenn die Digitalisierung die Arbeit in Steuerberatungskanzleien verändert. Und weil Kommunikation immer auch Dialog und Interaktion zwischen Menschen bedeutet, passt eine mit bunten Klebezetteln beklebte Metaplan-Wand ganz wunderbar zur Digitalisierung.

Autor(inn)en: Virginia Moukouli, Partnerin HR Excellence Group; Alrik Zech, Leiter ECOVIS-Akademie; Halina Ziehmer M.A., wissenschaftliche Mitarbeiterin am ipo Institut für Personal- und Organisationsforschung

 

Dieses Forschungs- und Entwicklungsprojekt wird im Rahmen des Programms „Zukunft der Arbeit“ (FKZ 02L15A312) vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und dem Europäischen Sozialfonds (ESF) gefördert und vom Projektträger Karlsruhe (PTKA) betreut. Die Verantwortung für den Inhalt dieser Veröffentlichung liegt beim Autor.
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