Wenn der Deutsche Steuerberaterverband seinen 40. Deutschen Steuerberatertag unter dem Motto „Den digitalen Wandel gestalten“ eröffnet, dann ist das ein untrügliches Zeichen dafür, dass die Digitalisierung den Berufsstand Steuerberater/in mittlerweile (auch) erreicht hat, mitsamt dem ihr innewohnenden Appell an Verwandlung und Neugestaltung der Arbeit. Das Wort „Gestaltung“ impliziert immer auch Kreativität. Wenn es um Digitalisierung und eine begleitende Neugestaltung von Arbeit geht, dann bleibt durchaus viel Platz für Kreativität, wenngleich wissenschaftlicher Anspruch und die Verpflichtung zur Beibehaltung von Sozialverträglichkeit auch Grenzen schaffen. Aus der Perspektive der Wissenschaft setzt sich das Verbundvorhaben KODIMA mit der Untersuchung und Neugestaltung von Arbeitsprozessen im Rahmen von digitalisierter Arbeit auseinander, wobei der Fokus auf Steuerberatungsunternehmen liegt. Dazu haben sich fünf Teilvorhaben zusammengeschlossen, wobei ein jedes Handlungsempfehlungen entwickelt, die unterschiedliche Schwerpunkte aufweisen.

So entwickelt die Universität Rostock (Seniorprofessur: Wirtschafts- und Organisationspsychologie), Handlungsempfehlungen, die auf Literatur- und Arbeitsplatzanalysen basieren. Die FOM Hochschule analysiert Führungs- und Organisationsstrukturen in Steuerberatungsunternehmen und formuliert ihrerseits Handlungsempfehlungen, die sich auf den Umgang mit Digitalisierungsprozessen konzentrieren. Die HR Excellence Group GmbH entwickelt Handlungsempfehlungen sowohl für die Personalauswahl als auch -entwicklung, wobei diese auf Basis zu ermittelnder Kompetenzprofile entstehen. Zielsetzung der eben genannten drei Teilvorhaben ist nicht zuletzt, den Mitarbeitenden von Steuerberatungen und KMU verwandter Branchen Orientierung im Digitalisierungsdschungel zu geben.

Doch wird die Neugestaltung von Arbeit nicht ausschließlich von der Notwendigkeit, Organisationsstrukturen weiterzuentwickeln bzw. neu zu denken, begleitet, sondern es geht auch darum, Mitarbeitende und Führungskräfte weiterzubilden. In diesem Zusammenhang befasst sich ein weiteres Teilvorhaben, das der Ecovis Europe AG, mit der Entwicklung von Angeboten für die
Aus- und Weiterbildung für Auszubildende, Mitarbeitende und Führungskräfte sowie der Erarbeitung von Konzepten zur Einführung neuer digitalisierter Prozesse bzw. zur Weiterentwicklung bestehender Digitalisierungsprozesse in Steuerberatungen. Die EVENTUS GmbH, welche das KODIMA-Profil komplettiert, stellt sicher, dass die im Verbundprojekt generierten Ergebnisse und
Handlungsempfehlungen den Weg in die Praxis finden und sich dort auch nachhaltig bewähren. Dafür führt sie einen Feldtest durch, in dem die Empfehlungen auf Prozesse und Organisation der beteiligten Steuerberatungskanzleien übertragen werden.
Die fünf Teilvorhaben im KODIMA-Projekt verfolgen also ein gemeinsames Ziel. Dafür setzen sie jeweils unterschiedliche Schwerpunkte. Doch unter Berücksichtigung der übergreifenden Werte Humanzentrierung, Befähigung und Employability führen auch im Digitalisierungsdschungel unterschiedliche Wege zum gemeinsamen Ziel.

Autorin: Halina Ziehmer, M. A.

Dieses Forschungs- und Entwicklungsprojekt wird im Rahmen des Programms „Zukunft der Arbeit“ (FKZ 02L15A312) vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und dem Europäischen Sozialfonds (ESF) gefördert und vom Projektträger Karlsruhe (PTKA) betreut. Die Verantwortung für den Inhalt dieser Veröffentlichung liegt beim Autor.
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