Veränderung und Wandel ist ein stetiger Begleiter der menschlichen Entwicklung und das Ergebnis und gleichermaßen die Voraussetzung von vielschichtigen Lernprozessen. Dies gilt umso mehr für die dynamische Entwicklung im Kontext der Digitalisierung. Diese bewirkt Veränderungen von Geschäftsmodellen, Organisations- und Kommunikationsstrukturen aber auch von Arbeitsprozessen und Wertesystemen. Eine besondere Herausforderung stellen hierbei der Erwerb, die Nutzung aber auch die Weitergabe von „Veränderungswissen“, kurzum das Lernen in der Digitalisierung, dar. Dies gilt im Besonderen für Organisationen, die auf Grund der hohen Qualifikationsstände und Zugangsbeschränkungen im sekundären Dienstleistungs- bzw. Informationssektor zu verorten sind. Hierzu zählen u. a. Unternehmen der steuerberatenden Branche, die im Rahmen des KODIMA-Projektes untersucht werden.

Die ECOVIS Europe AG entwickelt in einem Teilvorhaben, aufbauend auf den Ergebnissen der Universität Rostock, der FOM Hochschule und der HR Excellence Group aber auch eigener Untersuchungen, praktische Umsetzungen von Angeboten der Aus- und Weiterbildung für Auszubildende, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Führungskräfte. Damit verbunden ist die Entwicklung von Konzepten zur Einführung neuer digitalisierter Prozesse bzw. der Weiterentwicklung bestehender Digitalisierungsprozesse in der Steuerberatung. Dabei werden u. a. folgende Fragestellungen verfolgt:

  • Wie müssen zukunftsorientierte Aus- und Weiterbildungskonzepte im Berufsfeld gestaltet werden?
  • Wie müssen die Aus- und Weiterbildungskonzepte hinsichtlich der Übertragbarkeit auf andere Branchen verändert werden?
  • Welche Faktoren beeinflussen die nachhaltige Implementierung von Aus- und Weiterbildungskonzepten im Allgemeinen und in der steuerberatenden Branche?
  • Wie können veränderliche Arbeitsprozesse und -anforderungen in den Konzeptionen anwendungsorientiert Berücksichtigung finden?
  • Welche methodisch-didaktischen Ansätze sind förderlich für die entwickelten Kompetenzmodelle/-profile aus den anderen Teilvorhaben?

In Kontakt mit den am Verbundprojekt beteiligten Steuerberatungsunternehmen werden zunächst im Rahmen von Interviews vorhandene Inhalte und Prozesse der Aus- und Weiterbildung eruiert. Ziel der Analysen ist, sowohl den rechtlichen als auch den faktischen Rahmen für die Aus- und Weiterbildung zu ermitteln. Gleichzeitig werden alternative Weiterbildungskonzepte auf ihre Wirksamkeit analysiert. Die praktischen Arbeiten werden durch theoretische Analysen flankiert. Die Entwicklung der Aus- und Weiterbildungskonzepte erfolgt mit einem Fokus auf digitalisierte Arbeit. Dabei orientieren sich die Konzepte stets an der Umsetzbarkeit im betrieblichen Alltag, unter besonderer Berücksichtigung freiberuflicher Organisationsstrukturen und deren Aktualitätsanforderung an Fach- und Methodenwissen. Es werden Präsenz- und Online-Veranstaltungen, aktivierende Lehrformate sowie Coaching- und Mentorenkonzepte und veränderte Raum-/Zeitkontexte auf ihre betriebliche Eignung geprüft. Dies schließt auch die Operationalisierung von Wissenszielen und die Einbindung von Evaluationskonzepten ein. Zur Implementierung der Aus- und Weiterbildungskonzepte in Unternehmen der Steuerberatung wird die ECOVIS Europe AG ein Changemanagement-Konzept entwickeln. In diesem Zusammenhang sollen mittels detaillierter Analyse der Bedingungen in Steuerberatungskanzleien auch weitergehende Empfehlungen für notwendige Changemanagement-Prozesse in anderen Branchen des Dienstleistungssektors gezogen werden, die vergleichbaren Digitalisierungsprozessen unterliegen, z. B. in der Banken- und Versicherungsbranche. Das Changemanagement-Konzept wird in einem Feldtest erprobt und einem laufenden Evaluierungs-und Anpassungsprozess unterworfen. Im Ergebnis des Teilvorhabens liegt ein im Speziellen für das Berufsfeld der Steuerberatung erprobtes und somit anwendbares Konzept zur Weiterentwicklung der (digitalen) Kompetenzen von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vor. Dieses ist mittelbar für andere Tätigkeitsfelder oder Branchen im Umgang mit Digitalisierungsprozessen generalisierbar.

Autor: Alrik Zech, M. BC.

Dieses Forschungs- und Entwicklungsprojekt wird im Rahmen des Programms „Zukunft der Arbeit“ (FKZ 02L15A312) vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und dem Europäischen Sozialfonds (ESF) gefördert und vom Projektträger Karlsruhe (PTKA) betreut. Die Verantwortung für den Inhalt dieser Veröffentlichung liegt beim Autor.
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