2. TransWork- Schwerpunktgruppentreffen in Stuttgart

Die Veränderung der Arbeitswelt durch digitale Technologien birgt einige Herausforderungen, aber auch ungeahnte Potentiale. Vor dem Hintergrund des Forschungsschwerpunkts Arbeit in der digitalisierten Welt, gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung, werden im Begleitprojekt TransWork 30 Verbundprojekte vernetzt, um Lösungsansätze hinsichtlich digitalisierungsbedingter Herausforderungen zu entwickeln und Möglichkeiten digitaler Technologien auszuloten. Das Verbundprojekt TransWork fasst dabei die Projekte in fünf themenbezogene Schwerpunktgruppen zusammen, mit dem Ziel den Austausch zu unterstützen, Ergebnisse zu bündeln und in gemeinsamen Aktivitäten zu transferieren. Mitte März veranstaltete das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO das zweite Treffen der Schwerpunktgruppe „Assistenzsysteme und Kompetenzentwicklung“, zu der auch das Verbundprojekt KODIMA gehört. Es gab viel zu besprechen und mit dem Future Work Lab auch viel zu entdecken.

Wenn eine Ingenieurin oder ein Ingenieur mit der Aufgabe betraut ist, in schwindelerregender Höhe eine Windkraftanlage zu warten, dann bekommt die Frage, wie prozessbezogene Informationen situationsgerecht verfügbar gemacht werden können eine neue Qualität. Mithilfe von Smart Devices wie Smartphone, Tablet oder Datenbrille wird der Zugriff auf Informationen von überall und zu jederzeit möglich. Dadurch kann der Arbeitsprozess durch sog. Assistenzsysteme digital begleitet werden – auch in schwindelerregender Höhe. Wissensaufbau und Kompetenzentwicklung mithilfe digitaler Assistenzsysteme können bspw. in effizienteren Arbeitsprozessen und sicherem Handeln in komplexen Situationen münden, sofern bestimmte Bedingungen berücksichtigt werden. So hängt eine erfolgreiche Anwendung sowohl von der Gestaltung des Assistenzsystems als auch von dessen Integration in bestehende Arbeitsstrukturen ab. Zudem müssen die Beschäftigten durch gezielte Kompetenzentwicklung befähigt werden, zum Beispiel Smart Devices situations- und bedarfsgerecht zu verwenden. Dieses Bedingungsgefüge ist gemeinsamer Forschungsgegenstand der Verbundprojekte, die in der Schwerpunktgruppe „Assistenzsysteme und Kompetenzentwicklung“ gebündelt sind. Das zweite Treffen stand im Zeichen folgender Fragestellung: Welche Merkmale müssen Assistenzsysteme und Kompetenzentwicklung aufweisen, um nicht nur effiziente Produktions- und Dienstleistungsprozesse zu befördern, sondern sich gleichzeitig auch förderlich auf Gesundheit, Lernen und Kompetenz ihrer Anwender/innen auszuwirken?

Rund 20 Vertreter/innen der Verbundprojekte APRODI, ArdiAS, FachWERKStahlAssistTeamWork 4.0 und KODIMA kamen dazu am 14. und 15. März im Servlab des Fraunhofer-Instituts zusammen, um sich in Diskussionen und kleineren Arbeitseinheiten mit der Kernfrage auseinanderzusetzen und gemeinsam neue Ideen zu entwickeln. Zunächst positionierten sich die einzelnen Projekte entlang bestimmter Merkmale von Kompetenzentwicklung (z. B. Zielgruppen, Lernorte und -inhalte) und Assistenzsystemen (z. B. Arbeitssystem und Grad der Unterstützung). Ziel war es, herauszuarbeiten, aus welcher Perspektive sie sich der Kernfrage jeweils annähern. Jedes der sechs Verbundprojekte in der Schwerpunktgruppe konzentriert seine Forschung auf unterschiedliche Branchen und Zielgruppen: Während zum Beispiel KODIMA den Schwerpunkt auf den Dienstleistungssektor im Allgemeinen und Steuerberatung im Besonderen legt, konzentriert das Verbundprojekt StahlAssist seine Forschung auf Betriebe und Beschäftigte in der Stahlindustrie. Zudem unterscheiden sich die einzelnen Verbundprojekte hinsichtlich der Anteile, die Kompetenzentwicklung und die Entwicklung von Assistenzsystemen in den jeweiligen Projektverbünden einnehmen: Während sich z. B. APRODI vornehmlich mit der Gestaltung von Assistenzsystemen auseinandersetzt, fokussiert KODIMA vor allem auf Kompetenzentwicklung.

Diese Vielfalt führte schließlich dazu, dass die zentrale Fragestellung auch sehr unterschiedlich beantwortet wurde. Dabei wurde deutlich, dass Gestaltung und Integration von Assistenzsystemen ebenso wie Maßnahmen der Kompetenzentwicklung maßgeblich von Bedingungen wie Branchenzugehörigkeit, Zielgruppe, Arbeitsorganisation etc. abhängen. Im Rahmen der Diskussionen stellte sich jedoch auch heraus, dass sich Trends bei der Gestaltung von Arbeit erkennen lassen, die für alle Verbundprojekte gleichermaßen von Bedeutung sind. Ob nun ein Assistenzsystem für Beschäftigte im Stahlwerk oder an der Windkraftanlage oder ein Kompetenzprofil für Steuerberater/innen ─ die Individualisierung von Produkten und Leistungen, der Bedarf an Echtzeit-Datenübermittlung oder neuartige Interaktionsformen beeinflussen den Entwicklungsprozess von Assistenzsystemen und Kompetenzentwicklung immer, wenngleich in unterschiedlicher Intensität. Eine weitere Lesson- Learnt aus dem Schwerpunktgruppentreffen ist, dass sich alle sechs Verbundprojekte gleichermaßen mit der Frage auseinandersetzen müssen, wie Mitarbeiter/innen dazu motiviert werden können, dieses Assistenzsystem zu nutzen oder jene Kompetenzen zu entwickeln. In der Folge müssen entsprechende Systeme immer auch Merkmale aufweisen, die motivationaler Natur sind, um schließlich zu Effizienz und Arbeitszufriedenheit zu führen.

Zum Abschluss des ersten Tages gab es dann die Arbeitswelt der Zukunft zum Anfassen: Im Future Work Lab des Fraunhofer-Instituts zeigte Bernd Dworschak vom Fraunhofer IAO Demonstratoren intelligenter Maschinen, deren Einsatz in Unternehmen mit ganz neuen Szenarien der Arbeitsorganisation einhergeht. Um die Potenziale dieser Technologien in der betrieblichen Realität für Produktions- und Dienstleistungsprozesse auch tatsächlich nutzbar machen zu können, ist die Entwicklung von Kompetenzen beim Menschen eine Grundvoraussetzung. Es wurde somit einmal mehr deutlich, dass Assistenzsysteme und Kompetenzentwicklung „Hand in Hand gehen“ müssen.

Am zweiten Tag verständigten sich die Verbundprojekte über die Ausgestaltung der weiteren Zusammenarbeit. Tagungen, Panels, das Wissenschaftsjahr 2018 und das große Symposium am 4. Juli diesen Jahres – es steht noch vieles an. Unsere gemeinsame Aufgabe, nämlich Assistenzsysteme und Kompetenzmodelle zu entwickeln, deren konkrete Anwendung zu gesundheits-, lern- und kompetenzförderlichen Arbeitsrealitäten beiträgt, erfordert regelmäßigen Austausch und Transfer. Im Rahmen dieser Zusammenkünfte vor dem Hintergrund von TransWork wird diese Aufgabe immer auch nach außen kommuniziert, denn Impulse aus Wirtschaft und Politik tragen dazu bei, Lösungsansätze anwendungsorientiert zu gestalten und erfolgreich erprobte Wege über den einzelnen Betrieb hinaus als Best-Practice in andere Arbeitswelten zu übertragen.

Am Ende des zweiten Tages gegen Mittag verließen die Vertreter/innen der sechs Verbundprojekte die Räumlichkeiten des Fraunhofer-Instituts mit vielen neuen Eindrücken, Denkanstößen und Visitenkarten. Besonders das Future Work Lab hat Eindruck hinterlassen und neugierig gemacht auf die Zukunft. Wenngleich die einzelnen Verbundprojekte in unterschiedlichen Branchen verortet sind und unterschiedliche Zielgruppen und Arbeitsprozesse beforschen, verfolgen sie doch das gleiche Ziel, nämlich Arbeitsprozesse sozial und ökonomisch aufzuwerten und Arbeit gesundheitsförderlich zu gestalten. Letzteres ist für die Ingenieurin oder den Ingenieur auf der Windkraftanlage sicherlich von besonderem Interesse.

Autorin: Halina Ziehmer M. A.

Dieses Forschungs- und Entwicklungsprojekt wird im Rahmen des Programms „Zukunft der Arbeit“ (FKZ 02L15A312) vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und dem Europäischen Sozialfonds (ESF) gefördert und vom Projektträger Karlsruhe (PTKA) betreut. Die Verantwortung für den Inhalt dieser Veröffentlichung liegt beim Autor.
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